Max Ernst (Brühl/Deutschland 1891 - Paris 1976)

  • Fleurs-coquillages

Der Dadaist und Surrealist Max Ernst, der auch in der Tradition der deutschen Romantik gesehen werden kann, wird am 2. April 1891 in Brühl geboren. Nach dem Abitur studiert er an der Bonner Universität Altphilologie, Philosophie, Psychologie und Kunstgeschichte. Während dieser Zeit nimmt er zusammen mit August Macke an der Gruppenausstellung der „Rheinischen Expressionisten“ teil. 1919, nach Teilnahme am Ersten Weltkrieg, gründet er in Köln eine Dada-Zentrale und entscheidet sich für ein grundlegendes methodisches Vorgehen, das er nicht mehr aufgeben wird: indirekte Arbeitsweise und umdeutende Sichtweise. Am Anfang seiner „Entdeckungsfahrten ins Unbewusste“ stehen Übermalungen, Klischeedruckzeichnungen und die zusammengeklebten Bilder illusionistischer Collagen. 1922 verlässt er Deutschland und findet in den Mitgliedern der Pariser Dada-Bewegung einen neuen Freundeskreis, der sich in den folgenden Jahren zum Surrealismus formiert. Während der zwanziger Jahre entwickelt er die Frottage und die Grattage – Durchreibezeichnung und Abkratzmalerei – als surrealistische Arbeitstechniken und führt ab 1929 mit seinen drei Collagenromanen die indirekte Technik des Klebebildes zur Perfektion. Ende der dreißiger Jahre folgt das Abklatschverfahren der Décalcomanie als eine weitere Variation des passiv-aktiven Inspirationsprozesses. An 1937 wird Max Ernst von den Nationalsozialisten als „entarteter Künstler“ diffamiert und nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges vom Vichy-Regime als „feindlicher Ausländer“ mehrmals interniert. 1941 emigriert er in die USA und experimentiert mit einer oszillierenden Tröpfeltechnik, die ein geschwungenes und netzartiges Liniengewebe als Assoziationsanreiz für die Bildgewinnung erzeugt. Ab 1946 lebt er mit der amerikanischen Künstlerin Dorothea Tanning in Sedona, Arizona, und kehrt zusammen mit ihr Anfang der fünfziger Jahre nach Paris zurück. 1954 erlangt der inzwischen 63-jährige Künstler mit der Verleihung des „Großen Preises für Malerei“ auf der Biennale in Venedig den endgültigen Durchbruch und internationale Anerkennung. In den letzten zwei Jahrzehnten seines Lebens finden über siebzig Einzelausstellungen statt, darunter sechs große Retrospektiven. Am 1. April 1976 stirbt Max Ernst in Paris, einen Tag vor seinem 85. Geburtstag.

Dr. Jürgen Pech, Kunsthistoriker, wissenschaftlicher Leiter des Max Ernst Museums Brühl und Mitarbeiter am Max Ernst Œuvre-Katalog