Der Bildhauer, Urbanist und Aktivist Thomas Naegerl agiert an der Schnittstelle von klassischer Skulptur, ökologischer Architektur und gesellschaftspolitischer Intervention. Geprägt durch sein Studium an der École des Beaux-Arts in Paris bei Tony Grand und Piotr Kowalski, zeichnet sich sein Werk durch eine konsequente Auseinandersetzung mit Materialität und Raum aus. Seine transnationale Laufbahn führte ihn von Wien über Paris und New York bis nach Brasilien. Heute arbeitet er wechselweise in seinen Ateliers in Wien, Klosterneuburg und Pietrasanta.
In seinem Œuvre tritt der Eigensinn klassischer Werkstoffe wie Marmor, Bronze oder Holz in einen Dialog mit organischen Prozessen. Naegerl respektiert die inhärenten Qualitäten der Materialien, kombiniert sie jedoch neu, um Spannungsfelder zwischen Beständigkeit und Transformation zu erzeugen. Deutlich wird dies in der Serie „Racines“, die mit lebender Vegetation arbeitet, sowie in aktuellen Projekten zur ökologischen Architektur in Panama. Diese Praxis folgt der von ihm formulierten „Geschmacksintelligenz“ – einem konzeptionellen Ausloten des Verhältnisses zwischen intuitiver Sinnlichkeit und ordnender Rationalität.
Parallel zur freien Skulptur nutzt Naegerl den urbanen Raum für aktivistische Impulse. Projekte wie das „Bedenkmal“ oder monumentale Arbeiten wie der „Wächter Grimming“ thematisieren kulturelle Identität und kollektives Gedächtnis. Seine internationale Präsenz, unter anderem in der Cité des Sciences in Paris und dem Museum für Skulpturen in São Paulo, unterstreicht seine Rolle als Grenzgänger, der die physische Form der Kunst stets in globale und ökologische Kontexte einbettet.